Donnerstag, 6. März 2008

Wenn man hier nutzlos rumsitzt, kommt sowas raus:

Letztens erregte eine israelische Dozentin vom College Emek Yizreel die Gemüter ihrer Studenten. Während einer Veranstaltung wurde sie von einer arabischen Studentin, gebeten, das gesamte Plenum für die Opfer des großen Angriffs auf Gaza, der über 125 Tote forderte, eine Schweigeminute einhalten zu lassen. Der Vorschlag wurde von der Dozentin angenommen, wobei sie auch betonte, dass die Schweigeminute natürlich allen Opfern gilt, nicht nur den palästinensischen. Schließlich erlitten die israelischen Städte Sderot und Ashkelon in den letzten Tagen ebenfalls ungewöhnlich viele Angriffe.
Was auf uns Unbeteiligte wie ein Akt der Solidarität und Anteilnahme wirkt, ist für die israelischen Studenten die reinste Provokation. Der Asta-Sprecher des Colleges, fragte dazu ironisch, ob man als Nächstes in den Fluren Bilder von arabischen Märtyrern aufhängen würde. Was innerhalb der Vorlesung mit einer Diskussion geschlichtet werden konnte, wuchs außerhalb zu einem Protest heran. Am nächsten Tag organisierten Studenten eine Demonstration.
Es ist nicht einfach zu begreifen, wie es zu so einer Reaktion auf eine Schweigeminute kommen kann. Und definitiv ist es nicht bloß mit der heiklen Lage im Gazastreifen zu erklären, bei der kaum einer noch weiß, wer schuld ist. "Ich zahle Steuern, damit diese Araberin an der Uni studieren kann und das einzige, was ihr Volk im Sinn hat, ist es mich zu töten oder mich zumindest aus meinem Land zu vertreiben. Da soll ich auch noch für die Opfer dieses Volkes Mitleid haben?", sagt ein älterer Kollege hier. Die Mehrheit der israelischen Studenten wurde vor dem Studium für die Armee verpflichtet und hatte dort jahrelang nichts anderes im Sinn, als das Land vor dem Feind zu beschützen. Das kleine Land kennt keine entspannte Lage und die meisten Familien hatten in ihrem näheren Umfeld schon Opfer zu beklagen. So kommt es, dass selbst die friedlichen Araber, die in Israel leben, mehr geduldet als akzeptiert werden. Die Anfrage der arabischen Studentin, wird als bewusste Provokation gesehen, während sie selbst auf ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung in einer Demokratie besteht.
Nicht nur der Auftritt der Studentin wird kritisiert, sondern vor allem das Entgegenkommen der Dozentin. "Von der habe ich schon mal gehört. Das ist eine Verrückte. Währe ich jetzt dort, würde ich mitdemonstieren. Das ist keine Kleinigkeit", sagt meine junge Kollegin, Studentin des Colleges.
Fragt man nach der generellen Meinung der Israelis, so wollen schon längst 64 Prozent der Bevölkerung die besetzten Gebiete zurück geben. Die Alteingesessenen Israelis sind der Konflikte müde. Das Feuer wird deren Meinung nach von den Neueinwanderern des Landes immer wieder neu entfacht. Die jüngste Generation der israelischen Einwanderern, meist aus der ehemaligen UdSSR, wird von einem gewaltigen Patriotismus gepackt. Viele von ihnen leben in den besetzten Gebieten aufgrund der günstigeren Immobilienpreise und wurden häufig Opfer von Anschlägen. Eine gemässigte Position in Israel, DEM Einwandererland ueberhaupt, zu finden wird zunehmend schwer. Denn auch die Ultra-Orthodoxen, die ihr altes biblisches Israel haben wollen, sind gar nicht bereit mit den Palaestinensern zu verhandeln. Das schlimmste an diesen ist jedoch, dass sie sich wie die Karnickel vermehren. "Die einzigen, die hier im Land noch links sind, sind diejenigen, die ihren Wehrdienst verweigerten," erklärte mir ein anderer Kollege. Es scheint also ein Teufelskreis zu sein. Das Land braucht diese Armee, wie nichts Gutes, kann den Konflikt jedoch kaum beenden, wenn sämtliche ihrer Bewohner den Nachbarn eben aufgrund der dort gesammelten Erfahrungen feindlich gesinnt sind...
"Balagan" heisst das auf hebräisch. Totales Chaos.

Montag, 25. Februar 2008

Regen in Jerusalem

Und wieder bin ich hier in Israel in ein Gespräch geraten, das die ewige Schuldfrage der Deutschen aufwarf. Soll die neue Generation der Deutschen, die mit der NS-Zeit nie in Beruehrung kam, Schuldgefühele bezüglich der Katastrophe haben? Wieder war ich auf der Seite der jungen Deutschen, die entweder eh gar keine Schuldgefühle haben, oder diese schon ziemlich satt haben. Wir diskutierten zu Dritt. Zwei russischstämmige Israelis und ich. Erst habe ich meinen Standpunkt vertreten, dann wurde ich von meinem weltoffenen, jungen Kollegen dabei unterstützt, um am Ende vom Dritten mundtot gemacht zu werden. Er hatte leider das "beste" Argument: Seine Verwandten wurden beim Holocaust ermordet. Von da an, diskutierten nur noch die beiden weiter. Ich habe die Dreistigkeit dazu nicht gefunden, habe ich doch zuvor noch behauptet, mich inzwischen wie eine Deutsche zu fühlen.
Als ich den beiden so zuhörte, kam mir die Idee, dass diese Grundsatzfrage ungefähr in die gleiche Kategorie einzuordnen ist, wie die Frage nach der Existenz Gottes. Das klingt vielleicht übertrieben, aber mal ernsthaft. Welcher Erwachsene diskutiert noch darüber, ob es Ihn gibt oder nicht? Jeder weiss, dass kein Vertreter der einen oder anderen Seite, seine Meinung in die eine oder andere Richtung ändern wird. Ähnlich verhält es sich scheinbar in der Schuldfrage. Und, mal ehrlich, was bringen diese Diskussionen? Was ändert es auch, wenn eine ganze Nation sich noch 100 Jahre laenger schuldig fühlt? Es geht hier nicht um die finanziellen Entschädigungen fuer die Opfer, die das Mindeste waren, was Deutschland tun konnte. Es geht auch nicht um irgendeine Entschuldigung für die Greuetaten von damals. Es geht irgendwie also um ein Gefühl, das die Deutschen permanent haben sollen und das eigentlich keiner überpruefen oder jemandem auferlegen kann. Also lassen wir die Diskussionen, die nur Streit bringen, und akzeptieren die andere Meinung, wie den anderen Glauben.
Nach dem ich also als "Deutsche" voellig untergebutter wurde, ging es rein nach Jerusalem. Zu den Siedlungen, die auf palaestinensischem Gebiet gebaut werden. Derselbe Mensch, der eben noch über die Deutschen schimpfte, fand einen nahtlosen Uebergang zur Palästinenserschelte. Mit seinen Worten "Du hast Mitleid mit den Deutschen. Hast du auch Mitleid mit diesen Cretins?" verflog meine Aufregung langsam. Dafuer kam der Regen und ich war froh, im Auto neben diesem Nörgler zu sitzen.

Sonntag, 24. Februar 2008

Mit Flip Flops in TLV


Jetzt habe ich endlich mein neues Quartier in Tel Aviv bezogen und meinem netten Bekannten sein eigenes Bett wieder ueberlassen. Trotzdem hat er mich schon gefragt, ob ich nicht bleiben will, er habe sich schon an mich gewoeht. Ich mich an ihn zwar auch, aber ich bin trotzdem froh, endlich eigene vier Waende zu haben. Einen Haken hat die Sache allerdings schon: Am Wochenende darf ich mich da nicht aufhalten. Meine Vermieterin scheint was ganz Besonderes zu sein. Noch nie wurden mir so viele Regeln auferlegt. Ich soll die Fensterlaeden bitte schliessen, wenn ich gehe, in Klo und Bad bitte die Fenster stets geoeffnet haben, ihr Geschirr moeglichst nicht benutzen, den Schluessel an einen besonderen Platz legen, wenn ich da bin, und nicht zu vergessen all die Nebenkosten, die noch auf mich zukommen. Uff...

Ansonsten wird mein ganzer Aufenthalt hier von einem schlimmen Umstand ueberschattet: Ich habe nur EIN paar Turnschuhe dabei, die sind neu und haben mir die krasseste Blase am Fuss hinzugefuegt, die ich je hatte! Jeden meiner Schritte muss ich also ganz genau ueberdenken, was nicht leicht ist in einer Stadt, in der du dich nicht mit den oeffentlichen Verkehrsmitteln auskennst... Eigentlich koennte ich hier alles zu Fuss ablatschen, so gross ist das nicht. Aber diese Schmerzen... au, au, au! Deshalb habe ich gestern schon mal die Flipflops-Saison eingelaeutet. Als einzige in ganz Tel Aviv, vermute ich. Aber egal, mein Fuss dankt es mir. Und es war auch wirklich sonnig!

Ein wenig komme ich mir vor wie eine Touristin im Schnelldurchlauf. Ich werde vom Kamerateam morgens mitgenommen (z.B. nach Jerusalem, wie die letzen beiden Male), zum Drehort gebracht und nach den kurzen Aufnahmen (nie laenger als eine Stunde) wieder zurueck zum Studio gebracht. Die meisten Eindruecke bekomme ich also aus dem Autofenster...

Freitag, 4. Januar 2008

wissenschaftliches Arbeiten...

Vergesst die Suche nach Google-Einträgen über sich selbst, das ständige Checken der E-Mails und das Raiden der StudiVZ-Seiten alter Bekannter. Jetzt kommt die neueste Ablenkungssensation:

man findet doch immer wieder neue möglichkeiten sich abzulenken. selbst wenn der pc direkt vor der nase ist... hab grad entdeckt, dass ich mich im ausschaltknopf spiegele. und zwar schräg, wie beim foto booth. suuuuuper...