Als ich den beiden so zuhörte, kam mir die Idee, dass diese Grundsatzfrage ungefähr in die gleiche Kategorie einzuordnen ist, wie die Frage nach der Existenz Gottes. Das klingt vielleicht übertrieben, aber mal ernsthaft. Welcher Erwachsene diskutiert noch darüber, ob es Ihn gibt oder nicht? Jeder weiss, dass kein Vertreter der einen oder anderen Seite, seine Meinung in die eine oder andere Richtung ändern wird. Ähnlich verhält es sich scheinbar in der Schuldfrage. Und, mal ehrlich, was bringen diese Diskussionen? Was ändert es auch, wenn eine ganze Nation sich noch 100 Jahre laenger schuldig fühlt? Es geht hier nicht um die finanziellen Entschädigungen fuer die Opfer, die das Mindeste waren, was Deutschland tun konnte. Es geht auch nicht um irgendeine Entschuldigung für die Greuetaten von damals. Es geht irgendwie also um ein Gefühl, das die Deutschen permanent haben sollen und das eigentlich keiner überpruefen oder jemandem auferlegen kann. Also lassen wir die Diskussionen, die nur Streit bringen, und akzeptieren die andere Meinung, wie den anderen Glauben.
Nach dem ich also als "Deutsche" voellig untergebutter wurde, ging es rein nach Jerusalem. Zu den Siedlungen, die auf palaestinensischem Gebiet gebaut werden. Derselbe Mensch, der eben noch über die Deutschen schimpfte, fand einen nahtlosen Uebergang zur Palästinenserschelte. Mit seinen Worten "Du hast Mitleid mit den Deutschen. Hast du auch Mitleid mit diesen Cretins?" verflog meine Aufregung langsam. Dafuer kam der Regen und ich war froh, im Auto neben diesem Nörgler zu sitzen.
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