Montag, 25. Februar 2008

Regen in Jerusalem

Und wieder bin ich hier in Israel in ein Gespräch geraten, das die ewige Schuldfrage der Deutschen aufwarf. Soll die neue Generation der Deutschen, die mit der NS-Zeit nie in Beruehrung kam, Schuldgefühele bezüglich der Katastrophe haben? Wieder war ich auf der Seite der jungen Deutschen, die entweder eh gar keine Schuldgefühle haben, oder diese schon ziemlich satt haben. Wir diskutierten zu Dritt. Zwei russischstämmige Israelis und ich. Erst habe ich meinen Standpunkt vertreten, dann wurde ich von meinem weltoffenen, jungen Kollegen dabei unterstützt, um am Ende vom Dritten mundtot gemacht zu werden. Er hatte leider das "beste" Argument: Seine Verwandten wurden beim Holocaust ermordet. Von da an, diskutierten nur noch die beiden weiter. Ich habe die Dreistigkeit dazu nicht gefunden, habe ich doch zuvor noch behauptet, mich inzwischen wie eine Deutsche zu fühlen.
Als ich den beiden so zuhörte, kam mir die Idee, dass diese Grundsatzfrage ungefähr in die gleiche Kategorie einzuordnen ist, wie die Frage nach der Existenz Gottes. Das klingt vielleicht übertrieben, aber mal ernsthaft. Welcher Erwachsene diskutiert noch darüber, ob es Ihn gibt oder nicht? Jeder weiss, dass kein Vertreter der einen oder anderen Seite, seine Meinung in die eine oder andere Richtung ändern wird. Ähnlich verhält es sich scheinbar in der Schuldfrage. Und, mal ehrlich, was bringen diese Diskussionen? Was ändert es auch, wenn eine ganze Nation sich noch 100 Jahre laenger schuldig fühlt? Es geht hier nicht um die finanziellen Entschädigungen fuer die Opfer, die das Mindeste waren, was Deutschland tun konnte. Es geht auch nicht um irgendeine Entschuldigung für die Greuetaten von damals. Es geht irgendwie also um ein Gefühl, das die Deutschen permanent haben sollen und das eigentlich keiner überpruefen oder jemandem auferlegen kann. Also lassen wir die Diskussionen, die nur Streit bringen, und akzeptieren die andere Meinung, wie den anderen Glauben.
Nach dem ich also als "Deutsche" voellig untergebutter wurde, ging es rein nach Jerusalem. Zu den Siedlungen, die auf palaestinensischem Gebiet gebaut werden. Derselbe Mensch, der eben noch über die Deutschen schimpfte, fand einen nahtlosen Uebergang zur Palästinenserschelte. Mit seinen Worten "Du hast Mitleid mit den Deutschen. Hast du auch Mitleid mit diesen Cretins?" verflog meine Aufregung langsam. Dafuer kam der Regen und ich war froh, im Auto neben diesem Nörgler zu sitzen.

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